Faire Preise statt Dumping
INKOTA-Appell fordert gesetzliche Regeln für den Kakaohandel. Schokolade gehört für viele zum Alltag. Doch für Millionen Kakaobäuer*innen ist der Anbau alles andere als süß. Trotz harter Arbeit können viele Familien in den Anbauregionen nicht von ihrem Einkommen leben. Die Folgen sind gravierend. Investitionen in nachhaltigen Anbau bleiben aus, existenzsichernde Löhne können nicht gezahlt werden und Kinderarbeit bleibt vielerorts bittere Realität.
Anders macht es der Faire Handel. 2026 feiert Fairtrade Deutschland bereits 30 Jahre Fairtrade-Kakao mit steigenden Absätzen. Auch der Augsburger Weltladen bietet eine große Auswahl fair gehandelter Schokoladen und Kakaoprodukte. Das sind erfreuliche Entwicklungen. Doch das reicht nicht aus, denn nur knapp ein Fünftel des Kakaos in Deutschland ist fair gehandelt. Der Anteil an der Weltproduktion liegt sogar unter 0,1%.
Unter dem Motto „Landwirtschaft braucht Fairness“ macht das Berliner INKOTA-netzwerk deshalb auf die Missstände im herkömmlichen Kakaohandel aufmerksam und fordert, faire Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse gesetzlich zu verankern. Anlass ist die im Herbst diesen Jahres anstehende Reform der europäischen Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie). Sie bietet die Chance, Landwirt*innen weltweit besser vor unfairen Handelsbedingungen zu schützen.
Faire Preise als Schlüssel zu nachhaltiger Landwirtschaft
Nach Ansicht von INKOTA liegt das Problem nicht allein im niedrigen Weltmarktpreis für Kakao. Vielmehr ermöglichen es die bestehenden Handelsstrukturen, dass Preise gezahlt werden, die die tatsächlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion nicht decken. Wer von seiner Arbeit nicht leben kann, hat kaum Spielraum, um in klimaresistente Anbaumethoden, den Schutz der Biodiversität oder bessere Arbeitsbedingungen zu investieren.
Deshalb fordert das Bündnis gemeinsam mit weiteren Initiativen, die unfaire Zahlung niedriger Preise künftig selbst als unlautere Handelspraktik einzustufen. Faire Preise sollen gesetzlich so definiert werden, dass sie die Kosten einer nachhaltigen Produktion decken und den Betrieben ein existenzsicherndes Einkommen ermöglichen.
Das betrifft Landwirtschaft weltweit
Der Appell richtet sich zwar besonders auf den Kakaoanbau, macht aber deutlich, dass das Problem die Landwirtschaft insgesamt betrifft. Auch Milch- und Getreidebetriebe in Deutschland kämpfen mit einem enormen Preisdruck.
Die Folgen sind auch hierzulande sichtbar. In Deutschland hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe innerhalb einer Generation etwa halbiert. Faire Erzeugerpreise sind deshalb nicht nur eine Frage globaler Gerechtigkeit, sondern auch eine Investition in eine vielfältige, widerstandsfähige Landwirtschaft und stabile Lieferketten.
Weitere Informationen und die Möglichkeit, den Appell zu unterzeichnen, gibt es auf der Website von INKOTA: https://www.inkota.de/landwirtschaft-braucht-fairness

erstellt am: 31.07.2026 von Julia Kabatas