Foto: Women's Skills Development Organization Nepal

Mehrwert: Solidarität mit Frauen in Nepal

Produzentinnen und Produzenten in Ländern des Südens sind meist noch gravierender von der Corona-Pandemie betroffen als die Menschen hierzulande. Wir haben uns deshalb sehr gerne gemeinsam mit den Weltläden Iller-Lech an einer Covid-19-Versicherung als Solidaritätsaktion beteiligt, die Frauen in Nepal zu Gute kommt. Für diese Aktion setzen wir einen Teil der vorübergehend niedrigeren Mehrwertsteuer ein.

Und das steckt dahinter:

Seit dem 24. März besteht in Nepal ein strenger Lock-down und diese lange Zeit ohne Arbeit hat in den Unternehmen und bei den Arbeitern alle finanziellen Reserven aufgebraucht. Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt; die Regierung kann keinen Rettungsschirm auflegen oder Zuschüsse zahlen.

Der Fairtrade-Importeur Frida Feeling berichtet:

„Nun startet das Wirtschaftsleben wieder vorsichtig und unsere Lieferanten fahren langsam ihre Produktion unter strengen Corona-Auflagen hoch. Aber auch wenn in den Produktionsstätten Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden können, so besteht für die Mitarbeiter immer noch das Risiko, sich auf dem Weg von und zur Arbeit oder bei den täglichen Besorgungen mit dem Virus anzustecken. Die Angst vor Covid 19 ist groß; die finanzielle Situation stellt unsere Produzenten aber vor die Wahl, entweder die Arbeit wieder aufzunehmen oder ganz unterzugehen.“

Ein Weg, wenigstens etwas Sicherheit zu schaffen, ist eine Covid-19-Versicherung für die Mitarbeitenden der Fairtrade-Organisationen. Diese Versicherung kostet umgerechnet ca. 4,50 Euro pro Person; im Fall einer Covid-19-Erkrankung bekommt der Versicherungsnehmer*in 100.000 Nepali Rupien (umgerechnet ca 750€), um Krankenhaus- bzw. Lebenshaltungskosten davon zu bestreiten. Das entspricht in etwa fünf bis sechs Monatslöhnen und lindert die ärgsten Risiken.

Frida Feeling: „Grundsätzlich ist jede Versicherung eine Wette und man ist nie sicher, ob man sie braucht oder nicht – aber in der aktuellen Situation ist es viel, viel mehr, denn diese Versicherung vermittelt den Mitarbeiter*innen das Gefühl der Sicherheit, im Falle einer Erkrankung nicht ins Bodenlose zu fallen.
In Nepal steigen die Corona-Fälle derzeit stetig an; dieses „Sicherheitsnetz“ ist für die Menschen vor Ort sehr wichtig, wenn man bedenkt, dass sie ohne Arbeit auch kein Einkommen haben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Krankenversicherungen in Nepal, die keinen guten Ruf genießen, ist die Versicherungsgesellschaft vertrauenswürdig und wird auch vom Staat empfohlen.“

Die Weltläden im Netzwerk Iller-Lech haben diese Versicherung für die 350 Mitarbeiterinnen der Women Skill Development Organization (WSDO) übernommen. WSDO ist eine seit 1975 existierende Fair Trade Organisation, Mitbegründer der Fair Trade Group in Nepal und seit 2003 Mitglied der WFTO, der World FairTrade Organization. Hier arbeiten ausschließlich Frauen, die handwerkliche Produkte überwiegend aus Baumwolle anfertigen. WSDO bietet den Frauen, die in der Regel wirtschaftlich, körperlich oder familiär benachteiligt sind, die Möglichkeit einer sorgfältigen Ausbildung. Damit können sie ihr Einkommen selbstbestimmt erwirtschaften.

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erstellt am: 06.07.2020 von Sylvia Hank

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